Mein besonderes Interesse in der Krimi-Welt galt immer der 'novela negrísima' Manuel Vázquez Montalbáns und seinem sarkastisch-melancholischen Detektiv Pepe Carvalho.
Am 17. Oktober 2003 verstarb Manolo unerwartet am Flughafen
von Bangkok.
Ein Stück des Weges sind wir zusammen gegangen, auf
diese seltsame Art und Weise, wie es Autor und Leser in geheimnisvoller Verbundenheit
tun. Manolo, der Mensch, dem ich ein paar Mal begegnen durfte, und
der Schriftsteller mit dem skeptischen Blick werden mir fehlen.
“...Barcelona die reale Stadt, die er in Barcelones(1987) portraitierte, und der symbolische Ort, der für die Welt steht, werden nicht mehr dasselbe sein, wenn das schäbige Büro Pepe Carvalhos im Barrio Chino für immer geschlossen bleibt. Der posthum in zwei Bänden erscheinende Roman Milenio(2004) wird somit der definitiv letzte über den Detektiv sein, der gerade erst in El hombre de mi vida (2001) nach Barcelona zurückgekehrt war, das er aus Frust über den Olympia-Rummel und seine Nachwirkungen für El premio (1996) und Quinteto en Buenos Aires(1997) verlassen hatte. Es macht sich dieselbe Verzweiflung über diese plötzliche „orfandad" breit, die der einsame Detektiv am Ende von Los mares del Sur(1979) erleidet: „Se sentó sobre la baranda del muro y se aferró con las manos a los bordes de ladrillo para que el pecho no se le rompiera por los sollozos". Die von Pepe in solchen Fällen gewöhnlich verabreichte "botella de orujo" mag nicht so recht Zuflucht gewähren, aber vielleicht die vom Poeten Vázquez Montalbán beschworene Memoria, 'la ciudad donde habita tu único destino'.“
- Fragment eines versuchten Nachrufs -
Susanne Igler
meine Kolumne über Carvalho im Excélsior vom 10. Mai 1999
erstellt am 19.10.2003